Aus dem Archivbestand des Museums Sondershausen und der „Schwarburgika“,
veröffentlicht in einer Zeitungsanzeige „Der Deutsche“ durch den damaligen
Gastwirt Marhold, Inhaber des Gasthauses „Zum Lindwurm“, ist zu ersehen,
dass 1894 eine Kirmes stattfand. Ob es zu der damaligen Zeit schon eine
Freie Deutsche Burschenschaft oder einen Verein gegeben hat und wann die
Gründung war, kann man nicht sagen.
Während des 1. Weltkrieges waren keine Kirmesveranstaltungen,
erst mit dem Jahr 1920 finden wir wieder Zeitungsanzeigen im „Deutschen“.
1925 hatte die Kirmes einen etwas anderen Ablauf , welches ich aus
Gesprächen mit Herrn Otto Meyer und Walter Selle erfahren konnte .
Der Burschenverein war das ganze Jahr unterwegs zu Burschentreffen
in anderen Ortschaften.
Das Burschenfest in Großfurra fand am Plamsonntag ( Sonntag vor
Ostern ) statt, zu dem viele Gastvereine kamen. Jeder Gastverein wurde
vor dem Ort empfangen und abgeholt.
Ende der 20er Jahre zählte der Burschenverein 170 Mitglieder.
Doch die Zeit der Vereine sollte sich bald ändern. Mit den Machtwechsel
1933 wurde das Vereinsleben so gut wie verboten. Auf dem Planplatz in Großfurra
wurden einige Fahnen von Vereinen verbrannt, die der „Freien Burschenschaft
Großfurra“ war nicht darunter, hierbei berufe ich mich auf eine Aussage
von Herrn Otto Meyer.
Wer uns über den Verbleib der Fahne Auskunft geben kann, den bitten
wir, sich beim „Furrschen Kirmesverein“ zu melden. Das Kirmesfest, über
dessen Ursprung sich die Gemüter noch streiten, Erntedankfest oder
Kirchweihe, fand schon immer am letzten Wochenende im Oktober statt .
Früher feierte man Sonntag, Montag und Dienstag. Später
wurde dann Freitag, Samstag und Sonntag gefeiert, dieses ist noch heute
so.
Während des 2. Weltkrieges fanden auch keine Veranstaltungen
statt, erst im Jahr 1947 wurden sie wieder ins Leben gerufen.
Auch in der Zeit der DDR-Geschichte wurde Kirmes gefeiert.
Es fanden sich immer wieder einige wie zum Beispiel Wolfram Wernicke,
Kurt Straube, Willi Rumpf, Hans-Georg Andrä, Günter Rätsch,
Werner Schulz, Karl-Heinz Bernecker und Wolfgang Schmidt , nur um einige
zu nennen, die es immer wiederschafften, ein Kirmesfest zu veranstalten
.
Dann kam die Zeit, als die DDR-Ära zu Ende ging, das war auch
für viele Vereine ein Neubeginn. So gründeten wir 1991 den Furrschen
- Kirmesverein FKV e. V..
Als Burschenverein konnten wir uns nicht mehr bezeichnen, da es in
unserem Verein auch viele Verheiratete gibt. Der erste Vorstand des Vereins
bestand aus acht Mitgliedern: Rolf Hagenbruch, Thomas Kreutz, Frank Würz,
Harald Rumpf, Frank Langer, Carsten Schwarz, Steffen Kreutz und Sandro
Fehse.
Heute im Jahre 2003 hat der Kirmesverein 35 Mitglieder und den aktuellen
Vorstand bilden Henryk Siegmann, Jens Bowe, Danny Ruppert, Christoph Hörold,
Tino Spannaus und
Martin Wernicke.
Wir setzten uns das Ziel, an alte Traditionen anzuknüpfen.
Kirmes feiern wir das letzte Wochenende im Oktober, aber auch schon
im laufenden Jahr wird auf die Kirmes hingearbeitet. Am Mittwoch vor dem
Kirmeswochenende werden Strohwickel aus Erbsenstroh hergestellt und die
vorhandenen Strohbären ausgebessert. Donnerstag dann wird das Dorfgemeinschaftshaus
(Sporthalle) eingeräumt und geschmückt.
Am Freitag fährt der Vorstand mit der Kremserkutsche durchs Dorf
und ruft die bevorstehende Kirmes aus . Gegen 19.00 Uhr ist dann die Vorkirmes
, wobei die neuen Mitglieder aufgerufen werden . Bedingung für die
Aufnahme eines neuen Mitgliedes ist: eine rohe Zwiebel essen, Kirmestrunk,
Burschenschlagen (Schläge auf das Hinterteil) und um 24.00 Uhr wird
das Burschenlied gesungen .
Am Samstag geht es dann richtig los. Am Vormittag findet der Umzug
auf der Neuheide statt. Gegen 13.00 Uhr wird die Kirmes eingeblasen, zeitgleich
ziehen unsere Kleinen verkleidet durchs Dorf (Kinderkirmes) und anschließend
geht es zum Kirmestanz. Am Abend wird zum Kirmestanz geladen, der gegen
2.00 Uhr endet.
Am Sonntag findet ab 8.00 Uhr der Umzug im Ort in 4 Gruppen (1Gruppe
Kapelle) statt, wobei die Vereinsmitglieder alle verkleidet sind, was unsere
Fotos zeigen.
Um 14.00 Uhr findet das traditionelle Tuchlaufen auf dem Sportplatz
statt, welches früher auf dem Stoppelfeld war und viele Zuschauer
anzieht. Das Tuch ist mit dem Kirmeswappen und den Namen der Teilnehmer
handgestickt, und immer ein begehrter Artikel für die Wettstreiter.
Nach dem Tuchlaufen ist die Taufe der drei Bestplatzierten am Gemeindehaus
(1. Tuch, 2. Kranz, 3. Kreuz).
Hier ist anschließend Kindertanz. Abends wird zum Tanz mit Kirmesbeerdigung
eingeladen .
Während der Beerdigung des Bruder Kirmes wird eine Predigt vorgelesen,
deren Inhalt witzige und lustige Begebenheiten aus der Bevölkerung
sind.
Montag gibt der Erstplatzierte vom Tuchlaufen noch ein Faß Bier
aus. Somit gehen vier tolle Tage zu Ende und dieser und jener braucht
eine gewisse Zeit, nach den vielen Strapazen ins Reine zu kommen.
Hiermit möchte der Furrsche Kirmesverein zu diesem Fest, das in
jedem Jahr Ende Oktober stattfindet, recht herzlich einladen. Und darum
Freunde sage ich Prost: Unse furrsche Kirmes lebe hoch, lebe... !!!
Text Rolf Hagenbruch , überarbeitet Henryk Siegmann
Kontakt: Kirmes.Hank@freenet.de
